Mittwoch, 21. Juli 2010

Anti-Knast-Aktionstag 2010: Bericht & Einschätzungen

Leider nur ganz „kleine Brötchen“... xx xxxx xxx Bei den Vorbereitungen zum Anti-Knast-Aktionstag vom 19.06. hatten wir uns eine etwas größere, wenn möglich regionale, öffentliche Kundgebung gegen den im Bau befindlichen ersten privat-kapitalistisch organisierten Knast in NRW vorgestellt. Wir hatten einige “Fühler ausgestreckt”. Aber es fehlt an entsprechenden Strukturen. So wurde es dann nur eine kleine Kundgebung in Köln-Kalk, einem traditionellen Arbeiter/innen- und Erwerbslosen-Stadtteil. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Zufällig war direkt angrenzend ein kommerzielles Straßenfest. Unser Kundgebungszeitraum von 10 – 12 Uhr war aber offensichtlich ungünstig. Weder dort, geschweige denn bei uns Angrenzenden, “Ausgegrenzten” gab es viel Publikumsverkehr. Wir sind offensichtlich noch nicht an die langen Öffnungszeiten der Läden gewöhnt, also daran, dass der Samstag für die Menschen deshalb später beginnt. Auch für die erwünschten Kundgebungs-Teilnehmer/innen aus der “Szene” war der frühe Beginn wohl ein Hindernis. Wir waren mit einer kleinen Lautsprecher-Anlage ausgerüstet. Diese war aber nicht so stark, dass sie bis zum Rand des kommerziellen Straßenfestes gut hörbar gewesen wäre. Und wir waren bei flukturierender Teilnahme auch nie genug Aktive, damit wir auf formeller Ebene den Einsatz der Anlage überhaupt hätten durchsetzen können. Erfreulicherweise ließ sich aber bis ganz kurz vor Ende überhaupt keine Polizei sehen. Kurz vor Schluss kam einer von denen zu Fuß, fragte ob es was Besonderes gäbe und ging wieder xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Zugegeben, das zeigt auch, wie irrelevant und ungefährlich uns die “Ordnungs”behörden fanden. Aber es gab uns halt doch die Möglichkeit, zwei Stunden lang mit Musik, einigen Redebeiträgen, Flugblattverteilen und ein paar Gesprächen Werbung für unser Anliegen zu machen. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Wir hatten keine ausformulierten Reden parat, aber genug Aspekte dafür im Kopf, wollten improvisieren. Wir gingen dann aber nur sehr wenig ans Mikro, weil es nie viele Leute gleichzeitig in unserer Nähe gab. Sicher etwas langweilig für die Kund­ge­bungs­Tei­lneh­mer­/innen, die unterstützend gekommen waren, ohne kontinuierlich Anti-Knast-Arbeit zu machen. Wir waren halt auf die zufällig Vorbeikommenden konzentriert. Natürlich wurde die Grußbotschaft für den Aktionstag von Thomas Meyer-Falk aus dem Knast Bruchsal verlesen, den zumindest unsere Aktionsteilnehmer/innen beklatschten. (In der letzten Ausgabe waren die Leser/innen des Gefangenen-Rundbriefs Mauerfall - siehe http://groups.google.de/group/antiknast - eingeladen worden, Redebeiträge zu schicken. Hätten sie das alle getan, hätten wir wohl die ganze Zeit vorlesen müssen. Wäre natürlich auch sinnvoll gewesen, als Kommunikation aktiver Gefangener mit bewußt und grad momentan Anwesenden.) xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Als Propagandamaterial hatten wir ein doppelseitiges Flugblatt in deutscher und türkischer Sprache. Überwiegend versuchten wir durch Verteilen mit einzelnen in Kontakt zu kommen. Dabei gab es etwas Stress mit Wachposten des Kommerzfestes, die das Verteilen hinter einer imaginären Linie und behaupteten, dass der Veranstalter auch auf eine einmündende Straße noch Anspruch habe. Die drohten halt immer wieder mit Polizei. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Es war auffällig, dass niemand der Vorbeigehenden etwas wusste von der Einrichtung eines Privatknastes in unserer Nähe. Die, mit denen wir ins Gespräch kamen, empfanden das durchaus als problematisch und wert, weiter verfolgt zu werden. Weiter kamen wir nicht mit Auseinandersetzungen, obwohl wir selbst natürlich auch den staatlichen Knast ablehnen und als langfristiges Ziel Gesellschaft ohne Knäste propagieren. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Aber es war ein Impuls. Wir von “Autonomes Knastprojekt” wollen daraus die Konsequenz ziehen, wieder öfter mit Flugblattaktionen, welche auch Gesprächsangebot sind, in dem Stadtteil zu erscheinen. Wir wissen, dass dort viele Erfahrungen mit Knast haben, von diesem bedroht sind, oder zumindest sozialen Kontrollen und Sanktionen unterliegen, die bei ihnen Bereitschaft der Solidarisierung erwecken könnten. Seit langem bedauern wir, dass die Anti-Knast-Aktiven draußen überwiegend aus Zusammenhängen kommen, die außer kurzer Festnahme nach einer Demo keine Erfahrung mit Knast haben. - Bitte kein Missverständnis! Wir wünschen uns nicht mehr Knasterfahrung bei Genoss/inn/en, mit denen wir schon zusammenarbeiten. Wir wünschen uns nur, dass mehr Knasterfahrene aus unterprivilegierten sozialen Verhältnissen, auch mehr Migrant/inn/en, zu Genoss/inn/en werden bzw., sofern sie schon solche sind, sich mit uns besser vernetzen im Anti-Knast-Kampf. Damit meinen wir nicht, dass Anti-Knast-Kampf deren einziger Kampf sein solle. Aber halt EIN Bereich, in dem AUCH gekämpft werden müßte, wenn wir denn die repressiven Strukturen dieser Gesellschaft überwinden wollen. Erst wenn breitere Teile der Gesellschaft das Sanktionssytem öffentlich und offensiv in Frage stellen, gibt es (wieder) ein Klima, in dem statt dauernder Verschärfung der Ausgrenzung auch die herrschenden Cliquen Rückzüge einleiten müssen. Dabei wären zumindest wir nicht mit kleinen Reförmchen zufriedenstellbar. Doch wir wissen, dass wir von den weitreichenden zielen angesichts derzeitiger Kräfteverhältnisse weit entfernt sind. Dies ist uns Mahnung, mehr Mobilisierung zu versuchen in betroffenen Kreisen, die erlittene Repression oft verdrängen, sich auch von anarchistischen, sozialkritisch-”linken” Zirkeln meist nicht verstanden und diesen nicht zugehörig fühlen. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Eine Aktivistin der Beobachtungsgruppe zu den Düsseldorfer 129-b-Prozessen beteiligte sich an unserer Aktion mit eigenen Flugblättern. Da ihre Informationen Mitglieder des Vereins „Anatolische Föderation“ betrafen, die – bei grundsätzlicher Ablehung des Regimes in der Türkei – sich für Belange von Migrant/inn/en eingesetzt haben, wurde auch dies mit Interesse gerade bei den Menschen aus der Türkei aufgenommen. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxx Um im freiheitskämpferischen, emanzipatorischen, links-radikalen Umfeld die Marginalität des Themas Knast etwas zu mindern, hatten wir für den Nachmittag noch eine Film- und Diskussionsveranstaltung (Die Verrohung des Franz Blum) im seit dem 16. April besetzten Autonomen Zentrum angesetzt Diese war erwartungsgemäß minimal besucht. Der Filmaufführungs-Raum war im Selbstverwaltung-Dschungel auch doppelt belegt worden. Wir wichen auf einen kleineren Raum aus. Auch dieses nur ein Anfang. Wir werden ab jetzt monatlich, jeweils am letzten Sonntag, ein Anti-Knast-Café im AZ veranstalten. Und falls dieses bedrohte Projekt nicht am gleichen Ort Bestand haben sollte, werden wir uns an Folgeprojekten beteiligen. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Nach der Veranstaltung im AZ wollten noch einzelne mit Megaphon eine Spontanaktion am Köln-Ossendorfer Knast machen, um an diesem Aktionstag auch den Gefangenen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Die Initiative dazu kam von einem Genossen, der am gleichen Tag in kleiner Gruppe an der erfolgreichen Megaphon-Beschallung des Aachener Knastes teilgenommen hatte. Leider mußten wir diesen und einen anderen Teilnahmewilligen entmutigen, dass man so am Ossendorfer Knast keine Gefangenen erreichen könne. Auch wir hatten bei Kundgebung in Aachen im letzten September ja Sicht- und Winkkontakte gehabt, waren gehört worden. Unserer Erfahrung nach ist es am Ossendorfer Knast nicht möglich. Sichtkontakt gibt es gar keinen. Und sogar mit großer Anlage, von ausgesuchten Standorten aus und nach Vorankündigung bei daraufhin besonders aufmerksamen Gefangenen gelangen kaum Signale nach drinnen. Scheiss Iso-Architektur !!! Ob es lokal sonstige Aktionen unter dem Motto “alles, was euch Spass macht” gegeben hat, entzieht sich bisher unserer Kenntnis. Der Profiteursfirma Kötter – Betreiberin bisheriger Privatknäste in der BRD – das Repressionsgeschäft wirklich zu versauen, könnte uns jedenfalls erst gelingen, wenn es schon eine Massenbasis des Widerstands gäbe. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx x Uns ist bewußt, dass so eine kleine Aktion wie die unsere unerheblich ist. Trotzdem, der mit Gruppen aus anderen Städten vereinbarte Aktionstag war ein Anstoß. Wir werden uns um Kontinuität bemühen.
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akp köln xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx weitere Berichte zum Anti-Knast-Aktionstag xxxx xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxsiehe bei abc Berlin xxxxxxxxxxxxxxxxxx http://www.abc-berlin.net/

Mittwoch, 16. Juni 2010

Film zum Anti-Knast-Aktionstag

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Wenige Stunden nach einer (mindestens) zweistündigen Kundgebung im traditionellen Arbeiter/innen und Erwerbslosenstadtteil Köln-Kalk bieten wir noch was für die Besucher/innen des seit dem 16. April besetzten Autonomen Zentrums:
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Film- und Diskussionsveranstaltung

19.06., 16 Uhr, AZ, Wiersbergstr.44, Köln-Kalk

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Als Vorwarnung und Erklärung für gegebenen Diskussionsbedarf hier unser Ankündigungstext:
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DIE VERROHUNG DES FRANZ BLUM AAA 
 Regie: Reinhard Hauf ***
Der Film spielt in den 70er Jahren. Er erzählt die Geschichte des Bankräubers Franz Blum, der in einer Gefängniswelt landet, die von Machtkämpfen unter den Gefangenen und von Schwarzmarktgeschäften geprägt ist. Es fällt ihm zunächst schwer, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Relativ schnell setzt er sich aber in dieser Knasthierachie durch und boxt sich an die Spitze. Unsere Filmbewertung: Dies ist kein Propagandafilm. Er zeigt die Gefangenen nicht als Widerständige, Revoltierende. Er zeigt die Lebenswirklichkeit des Teils der Gefangenen, die sich nicht gegen das Knastsystem zur Wehr setzen, die sich mit ihm arrangieren. Dies ist EIN Teil der Knastrealität. Das Manko dieses Films liegt darin, dass er die ANDERE Wirklichkeit des Knasts so gut wie gar nicht beleuchtet. Der einzige solidarische Gefangene wird von den anderen gemobbt und nicht Ernst genommen. Dies wird der Realität nicht gerecht. Nicht alle Gefangenen sind solidarische Revoltierende, ebenso wenig wie alle Hartz IV-EmpfängerInnen Linksradikale sind, oder sich wenigstens mit den Zahltag-Aktionen solidarisieren. Hindert uns das daran, gegen Hartz IV zu kämpfen? Hindern uns die Gefangenen, die mit uns nichts zu tun haben wollen, daran, gegen Knäste zu sein? Und was ist mit den solidarischen, widerständigen Gefangenen (die es in größerer Zahl gibt als dieser Film suggeriert)? Nehmen wir die als potentielle BündnispartnerInnen überhaupt genug wahr? Dieser Film wirft viele Fragen auf. Und die wollen wir gerne im Anschluß mit Euch diskutieren.
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Autonomes Knastprojekt

Dienstag, 1. Juni 2010

ANTI-KNAST-AKTIONSTAG 19.06. 2010

an verschiedenen Orten im deutschsprachigen Raum *** (in mindestens 7 verschiedenen Städten) A
AA
Der Kölner Beitrag:
Kundgebung
AAA gegen Privatisierung, Ausgrenzung und Ausbeutung
AA
Für eine solidarische Gesellschaft
AA
Seit vielen Jahren läuft in dieser Gesellschaft ein massiver Prozess der Entsolidarisierung. Dieser Prozess geht einher mit einer zunehmenden Verarmung großer Teile der Bevölkerung. Angst vor dem sozialen Abstieg prägt das Leben vieler Menschen. Die Herrschenden versuchen unsere Wut auf vermeintliche Sündenböcke zu lenken: Die faulen Griechen, die arbeitsscheuen Arbeitlosen, die bösen Knackis usw.. Die NiedriglöhnerInnen haben Angst vor Hartz IV, deshalb schlucken sie miserable Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne. Eine ganze Industrie hat sich auf die Ausbeutung und Disziplinierung der Arbeitlosen komzentriert. Nun soll die wirtschaftlich Ausbeutung der Gefangenen vorangetrieben werden. In den USA und China ist dieser Prozess schon viel weiter fortgeschritten. Viele Produkte aus Billigläden stammen aus chinesischen Arbeitslagern. Seit der Privatisierung vieler US-Knäste sind die Gefangenenzahlen dramatisch angestiegen. Die Gefängnisindustrie hat einen immensen Hunger nach neuen billigen Arbeitskräften. Diesen Weg will nun auch Deutschland gehen. In Ratingen wird derzeit der erste Privatknast in NRW gebaut. Gebaut von der Firma Bilfinger und Berger (ja, die mit dem Kölner U-Bahn-Einsturz). Betrieben werden soll der Knast dann von der Firma KÖTTER. Die schwarzen Sheriffs dieser Firma kennen wir alle. Sie schmeißen uns bespielsweise aus der ARGE, wenn wir unser Geld einfordern. Ob am Flughafen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln - überall treffen wir auf diese Söldner. Draußen können wir den Typen aus dem Weg gehen. Die Gefangenen können dies nicht. Mal ehrlich, möchtet Ihr den ganzen Tag diesen KÖTTER-Typen ausgeliefert sein?
A
A
Sind denn private Knäste wirklich noch schlimmer als staatliche?
A
Knast ist unverzichtbarer Bestandteil des kapitalistischen System (dies gilt auch im Pseudosozialismus = Staatskapitalismus). Wenn wir deshalb für eine Gesellschaft ohne Knäste kämpfen, kämpfen wir zwangsläufig für eine antikapitalistische Gesellschaft. Diese Gesellschaft speist immer mehr Menschen mit Almosen ab, während sich wenige die Taschen voll machen. Diese Eigentumsordnung kann nur mit Hilfe des Knastsystems aufrechterhalten werden. Wie sonst sollten die Armen davon abgehalten werden, sich von den Reichen zu holen, was sie brauchen? Insofern schützen natürlich auch staatliche Knäste das kapitalistische Ausbeutungssystem. Um angesichts zunehmender Verarmung draußen die abschreckende Wirkung des Knastes aufrecht zu erhalten, müssen die Lebensbedingungen der Gefangenen immer mehr verschärft werden. Einerseits werden die verhängten Strafen immer länger (Stichwort: Sicherungsverwahrung), andrerseits wächst der Druck, das Maximum aus der Arbeitskraft der Gefangenen rauszuholen. Genau hier setzen die Betreiber von Privatknästen an. Einerseits setzen sie auf Einsparungen in der medizinischen, sozialen und psychologischen "Versorgung" der Gefangenen (alles schon bei staatlichen Gefängnissen eine Farce bzw. Teil der Disziplinierung.). Andrerseits müssen die Gefangenen alles, was sie brauchen (Nahrungsmittel, Schreibwaren, Toilettenartikel usw.) beim privaten Knastbetreiber kaufen. Dass so ein privatkapitalistisches Monopol zu überhöhten Preisen führt, dürfte wohl nachvollziehbar sein. Der wichtigste Punkt liegt allerdings in der Ausbeutung der Arbeitskraft. Berufliche Ausbildungsmaßnehmen, die es schon heute zu wenig gibt, dürften wohl bald der Vergangenheit angehören. Industrielle Akkordarbeit ist für die privaten Knastbetreiber viel lukrativer. Knast ist Ländersache. In einigen Bundesländern gibt es bereits Privatknäste. Von dort ist nichts Gutes zu hören. Wenn jetzt in Ratingen der erste Privatknast in NRW gebaut wird, so wird damit auch hierzulande eine Entwicklung in Gang gesetzt, die wir nicht wollen.
A
Deshalb
A
A
Kein Privatknast in NRW (und anderswo)!
AA
KÖTTER das Repressionsgeschäft versauen !
AA
# AAA Auf lange Sicht: Für Gesellschaft ohne Knäste !
akp köln

Freitag, 14. Mai 2010

Warum Anti-Knast-Aktionstag ?

Wir, ein Bündnis von Gruppen aus verschiedenen Städten, rufen auf zu einem I Aktionstag am 19.Juni 2010 gegen die Knastgesellschaft in all ihren Facetten. I Lasst uns ein deutliches Zeichen setzen. Zeigen wir in vielfältigen und kreativen Aktionen, dezentral und überall auf der Welt, was wir vonder Idee der der totalen Kontrolle halten.
Das Verhältnis Knast und Gewalt
Knast bedeutet Unterdrückung, Kontrolle, Ausbeutung und Ausgeliefertsein. Strukturelle Gewalt ist Teil unserer Gesellschaft. Auf ihr beruht unser Rechts- system. Kein Wunder also, dass sie auch vor den Toren der Knäste keinen Halt macht und sich in Form von individueller Gewalt, wie Misshandlungen und sexuellem Missbrauch, entlädt. Schließer nehmen innerhalb dises Systems eine entscheidenden Rolle ein. Sie sind Teil der internen Hierarchien und verhalten sich entsprechend. Sie wissen, dass sie in ihrer Position Macht über Menschen haben und nutzen diese auch aus. Es gibt immer wieder Übergriffe durch Angestellte der Vollzugsanstalten. Sei es aus reinem Frust, rassistischer Motivation oder im Sinne der Aufstandsbekämpfung. In Frankreich gibt eigens dafür ausgebildete Einheiten wie z.B. die „IRIS“. Sie sind ähnlich ausgerüstet wie die CRS- Einheiten auf den Starßen der Banlieues. Schließer undPersonal der Vollzugsanstalten sind, genau wie der Justizapparat und die Polizei- behörden Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.
Knast und Prekariat
Weltweit sitzen Millionen Menschen hinter Gittern. Ein großer Prozentanteil wird auf Grund von Eigentumsdelikten, wie z.B. Diebstahl oder Raub, weg gesperrt. Also wegen angebliche Vergehen, die sich bewusst oder unbe- wusst gegen die Eigentums- undVerwertungslogik des Kapitalismus wenden und den Weg zum „Wohlstand“ abkürzen sollen. Andere können sich die Miete nicht mehr leisten oder landen wegen mehrmaligen Schwarz- fahren im Bau. Nach wie vor ist der Knast auch ein Mittel zur Zerstörung von Klassenbewusstsein und Schaffung von Milieus ohne Bewusstsein für ihre Lage. Äußere soziale Kontrolle, wie etwa durch Ämter und Behörden, macht eine bessere Überwachung und Disziplinierung nach der „Ent- lassung“ möglich. In der US-amerikanischen Studie „How unregulated is the U.S. Labor Market?“ ,wird der Ausbau der Vollzugsanstalten zu Gunsten der Arbeitslosenstatistik, begrüßt. Diese Idee, kombiniert mit einer „Null Toleranz Politik“, die Haftstrafen schon bei kleinsten Vergehen fordert, stößt in Europa auf Anklang. Noch steckt die Entwicklung der Gefängnisses als Mittel der Arbeitsmarktregulierung in den Kinderschuhen.
Knast und Migration
Migrant_innen leiden unter dem Druck der globalen Sicherheits- gesellschaft. Viele vonihnen sterben schon bei dem Versuch Europa oder die USA zu erreichen. Jene die esschaffen, die hochgerüsteten Grenzen zu überwinden, werden innerhalb dieserverfolgt, in Lagern inhaftiert und erkennungsdientstlich behandelt, z.B. mittels SIS 1 oder SIS 2. Gedemütigt und zum Teil schwerst traumatisiert warten sie nun auf ihre Abschiebung in bittere Armut oder den sicheren Tod. Auch Todesfälle vor oder während der Abschiebung sind keine Seltenheit. Im Rahmen der Neuorientierung europäischer Sicherheitspolitik soll es zu einem weiteren Ausbau der vor- gelagerten Abschiebeknäste, in den sog. sicheren Drittstaaten, und zu einer besseren Erfassung und Eindämmung der Migrationsströme kom- men. Um dieses Ziel zu erreichen wird auch vor der Zusammenarbeit mit Diktatoren wie Gaddafi kein Halt gemacht. Den Menschen, die die globa- len Krisen ammeisten zu spüren bekommen, bringt dieses Vorgehen mit „Sicherheit“ ein Leben in Angst, Verfolgung und Gefangenschaft.
 
Psychatrie, der weiße Knast
Neben den Gefängnissen für „übliche“ Kriminelle gibt es auch noch jene Zwangsanstalten für „Irre“ Menschen, die Psychiatrien. All zu oft wird völlig ohnezu hinterfragen in „Normal“ und „Abnormal“ eingeteilt. Präventiv wird alles was ander Hülle unsere heilen Welt kratzt durch Medikamentierung oder Therapie ruhiggestellt. Unbequemes wird auch hier eingesperrt und weggeschlossen. In einer Welt, in der die Schließer ihre Uniformen gegen die subtileren weiße Kittel desAnstaltspersonals tauschen, ist Kritik schwierig und stößt oft auf taube Ohren. Da,wo Teile der Medizin beginnen jegliche menschliche Handlung auf die Leitung oderFehlleitung unserer Synapsen zu reduzieren, beißt sich die Auf- klärung in den Schwanz. Ein biologischer Determinismus löst den freien Willen ab. Zur Not wird diese angebliche Erkenntnis durch eine Zwangs- einweisung, zum Schutz der eigenen Unversehrtheit, untermauert. Auch hier gibt es die Tendenz, sich selbst als nicht leistungsfähig genug, alsminderwertig einzustufen. Die pharmazeutischen Unternehmen hal- ten in diesem Fall viele Produkte zur Selbstoptimierung bereit. Eine der am häufigsten verwendeten Substanzen ist das Speedderivat Retalin. Es macht leisungs- und aufnhamefähiger undwird an manchen Univer- sitäten indirekt sogar begrüßt. Dies kommt einer Selbstdisziplinierung auf gezielt neurologischer Ebene gleich. Eine Qualität die es im Verlauf der der Geschichte der „Kerkergesellschaft“ so noch nicht gab.
Knast als Logik der Gesellschaft
Der Knast, in Form von Zellenhaft, trifft also nicht nur solche, die sich ausdrücklich als politische Aktivist_Innen verstehen. Oft gibt es gut funktionierende Solidaritätsstrukturen die betroffene Menschen, beson- ders aus linken Kreisen, vor einer Inhaftierung bewahren. Dies ist auch gut so, aber es kann dazu führen, dass schnell vergessen wird, welche Logik hinter diesen Gebäuden aus Stahl und Beton, hinter der Symbiose aus Architektur und Autorität steht. Der Knast ist als Teil eines System des Disziplinierens mittels Strafe zu verstehen auf dem sich unsere Gesellschaft aufbaut. Er ist Ausdruck der Herrschaftsverhältnisse in denen wir leben. Disziplinierung und Selbstdisziplinierung, durch Angst vor Strafe, hältuns in den normierten Bahnen der Verwertung fest. Von den Fabriken, Schulen undUniversitäten bis zu den Krankenhäusern, alle produzieren. Die einen Waren, die anderen Wissen, die nächsten Gesundheit bzw. Krankheit. Hierbei sind , wie bereitserwähnt, Architektur und Über- wachung eng mit Autorität und Strafe verknüpft. Ein Blick über den eigenen Tellerrand, z.B. in die Organisationsstruktur von sog. Sweat Shops, genügt. Die Zeit der prügelnden Arbeitsaufseher_Innen, die durch die Raumaufteilung der Produktionshallen jeder Zeit den Überblick über die Arbeiter_Innen haben, ist hier nicht vorbei. Sweat Shops sind ein fester Bestandteil globaler Kapitalanhäufung. Bedingt durch menschengemachte Armut und Landflucht hat sich diese Form der Produktion vor allem im globalen Süden ausgebreitet. Ähnlichen „unfrei“ und überwacht wie in Haft- anstalten, werden die Menschen hier unter unwürdigen Bedingungen und für Hungerlöhne ausgebeutet, gedemütigt und misshandelt. Aber auch in westlichen Ländern gibt es für Fehlverhalten innerhalb der Produktion ein breite, wenn auch struktureller gehaltene, Palette an Sanktionen. Meist erstrecken sich diese über z.B. Mahnungen, Verweise, Streichung von Sozialleistungen, Kündigungen und Rausschmissen. Innerhalb bestimmter sozialer Schicht können diese aber schnell einen weiteren sozialen Abstieg bedeuten. Sie bringen damit eine Spirale in Gang, die die Kluft zwischen arm und reich, privilegiert und unprivilegiert weiter vergrößert. Ein Rückkopplungseffekt ist der Anstieg sog. Kriminalität. Das System schafft sich sozusagen selbst Anlässe für den weiteren Aus- bau von Sicherheit und Kontrolle. Dies ist eine Art von Machtentfaltungs- strategie, welche weniger von bestimmten Personen, als vielmehr von systemischen Eigenheiten hervorgerufen wird. Die Freude an der freiwilligen Selbstauskunft, besonders der privilegierte- ren Schichten, via „Web 2.0“ ist eine erschreckende Tendenz der frei- willigenÜberwachung. Die europäischen Sicherheitsbehörden haben dies erkannt und wollen die sog. Social Networks, im Rahmen des Stockholm- programms, für die vorausschauende Kriminalistik nutzen. Auch durch die Gemengelage Terrorismusbekämpfung und Klimawandel wird bei vielen Menschen der Hang zur Selbstkontrolle und die Forderungen nach mehr Überwachung, Normen und Gesetzen deutlich. Im Windschatten dieser Entwicklungen ist eine präventive Strategie zur Aufstandsbe- kämpfungennicht nur geduldet sondern auch erwünscht. Konzepte wie „Managing Crowds“ sollen helfen, künftig zu erwartende Unruhen mög- lichst im Keim zu ersticken. Selbst die NATO hält die innere Sicherheit und Befriedung für den Schlüssel zu einer „erfolgreichen Intervention“ außerhalb der Mitgliedsstaaten. Die Zustände „Drinnen“ sind nur die Zuspitzung der Tendenzen „Draußen“. Die Realitäten der „zwei Welten“ innerhalb und außerhalb der Mauern ähneln sich zunehmend. Ein Anstieg der Überwachung, der Armut, des Leistungs- und Anpassungsdrucks ist deutlich spürbar und allgegen- wärtig. Die bürgerliche Strafgesellschaft richtet sich, gerade in Zeiten der weltweiten „Mehrfachkrisen“ gegen Unterschichten, illegalisierte Menschen und soziale Bewegungen. Die Zahl der sog. "Sozialen Häftlinge" steigt von Tag zu Tag. Die europäische Sicherheits- architektur wird immer weiter ausgebaut. Und fern ab von der Öffentlichkeit schmoren Menschen in Abschiebeknästen. Die Gefängnisgesellschaft ist Realität.

Nieder mit allen Knästen weltweit! Für freie Kommunikation, Bewegungsfreiheit und ein konfliktfähiges Miteinander! Für die Überwindung der Knastgesellschaft!

Montag, 29. März 2010

Inhalt STRAFLOS Nr.2

STRAFLOS
Abolitionistische Streitschrift
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Abolitionismus = Abschaffungs-Bewegung Heißt eigentlich also nur: Hau weg den Scheiss! Gab es gegen die Sklaverei in den USA, gegen die staatliche Kontrolle der Prostitution, gibt es gegen die Todesstrafe, gegen Gefängnisse und Strafjustiz allgemein. Letzteres ist hier gemeint. War besonders verbreitet in den skandinavischen Ländernin den 70er und 80er Jahren. Staatliche Reaktionen darauf waren einige Lockerungen, Reformen (angebliche „Resozialisierung“). In den letzten 20 Jahren aber wieder viel Rückschritt in Richtung Straflogik. Doch es gibt weiterhin Vernetzungen der Bewegungen gegen Gefängnisse und Strafjustiz, alle 2 Jahre einen Weltkongress (ICOPA) auf wechselnden Kontinenten zwecks Theorie- und Erfahrungsaustausch. (Auch wir meinen, in reaktionären Zeiten sei es besonders wichtig, kritisches Denken & Handeln weiter zu entwikkeln, Alternativen vorstellbar zu erhalten.)

Nr.2 , Frühjakr 2010
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Inhalt der Nummer 2 :
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* Unpopuläres Ziel ?
* Müssen wir Alternativen zu Knästen suchen?
* Vorsicht Einsturzgefahr!
* Wie organisieren wir uns, wenn wir "einfahren" ? (Gedanken aus der Sicht eines Ex-Gefangenen)
* Sitzen oder zahlen?
* Achtung AKTIONSTAG !
*„Geborene Verbrecher“ (...das Allerletzte ...)
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In eigener Sache ! In GEMEINSAMER? Diese Streitschrift (in Papier-Version) wird kostenlos verteilt an Gefangene und Interessierte „draußen“. Die, die noch nicht hinter Gittern sitzen, werden gebeten, das Projekt durch Spenden zu unterstützen. Wir bitten besonders politische/soziale Initiativen, bei der Verbreitung behilflich zu sein - d.h. regelmäßige Abnahme einer Anzahl Exemplare - und sich an unseren Kosten durch einen Dauerauftrag oder periodische Spenden zu beteiligen.
Konto: zosamme eV, 535348006
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Kölner Bank, BLZ: 37 1600 87
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Verwendungszweck: STRAFLOS
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http://autonomes-knastprojekt.blogspot.com erreichbar über
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Kommentare hier
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akp.koeln@googlemail.com
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AKP, Kalk-Mülheimer Str. 210, 51103 Köln

straflos 2, Unpopuläres Ziel ?

„Gesellschaft ohne Knäste“ - klingt heute irgendwie daneben. Wie soll das denn gehen? Und will das wirklich einer oder eine? Gegen die Todesstrafe was tun oder weil eine unschuldig ist, ja, kein Problem! Andere haben dann da noch ihren eigenen „politischen Gefangenen“. - Aber kein Einsperren mehr, keine Vergeltung, keine Gerechtigkeit?
Und schon sind sie alle in die Falle getappt, sind diszipliniert in der Disziplinierungsgesellschaft, zwischen Zugeständnissen und täglichen kooperierenden Überwachungen -“Wer sich an die Gesetze hält, dem passiert nichts“ - und merken nicht, dass auch sie längst im Fadenkreuz sind. Eigentlich brauchen wir hier ja nichts mehr tun: In naher Zukunft werden die Knäste von sich aus verschwinden. Hausarrest mit Fußfesseln schon beschlossene Sache. Elektronische Halsbänder werden schon diskutiert, private Sicherheitsdienste, Chipkarten, Internetkontrollen Kameraüberwachung, biometrische Zuordnung schon praktiziert, bereit für Ausgrenzung bestimmter sozialer Schichten, Migranten, illegalisierte Flüchtlinge. Alles geplant als gut geölte Maschine mit „no-go-areas“. Nur mit entsprechender Karte zu betreten.
Aber die Umwandlung in die Kontrollgesellschaft ist noch nicht abgeschlossen. „Null Toleranz“, „Strafverschärfung“ - fast könnten wir von einer „Wiederentdeckung des Gefängnisses“ sprechen, wenn auch mehr und mehr aus Kostengründen privatisiert wird. Immer neue, andere Bedrohungszenarien werden aufgebaut: „Die da müssen weg, gehören abgeschoben, eingesperrt.“ Wenn wir hier wieder und weiterhin von „Gesellschaft ohne Knäste“ reden, so heißt dies, all das gerade Gesagte anzugehen, aufzubrechen, Alternativen dazu zu entwickeln - weil sich immer weniger durch ein „mich betrifft das nicht“ rausreden können. So werden z.B. immer mehr Menschen gezwungen, ihr tägliches Überleben zu sichern, greifen zu „illegalen Methoden“. 80 % der Inhaftierten sind so genannte „Eigentumsdelikte“.
„Gesellschaft ohne Knäste“ heißt heute und hier unsere Beziehungen zu einander zu verändern. Konflikte können nicht eingesperrt werden. Das heißt täglich Lösungen zu suchen und zu finden, ohne auf Bestrafung zurückgreifen zu wollen. Heißt auf Dauer eine radikale Veränderung dieser Gesellschaft. Viele von uns (mich eingeschlossen) haben vielleicht noch ihre eigenen Rachefantasien. Aber ich denke, wir alle haben auch unsere jeweiligen alternativen Konfliktlösungen, sei es in privaten oder öffentlichen Zusammenhängen, bis hin zu bestimmten Methoden der Selbstverteidigung.
Seitdem es diese Kämpfe gibt, ist eigentlich alles schon gesagt worden. Ich möchte daher abschließend einige Sätze von kämpfenden Gefangenen aus Italien vorbringen:
Wir sind gegen den Knast ...
Wir sind gegen den Knast, weil er geschaffen und entwickelt wurde, um die Privilegien der Reichen und die Macht des Staates zu beschützen.
Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft ihn nicht mehr braucht, wenn sie nicht auf Geld und Profiten, sondern auf Freiheit und Solidarität basiert.
Wir sind gegen den Knast, weil wir nach einer Welt streben, wo die Regeln wirklich gemeinsam entschieden werden.
Wir sind gegen den Knast, weil selbst das grausamste Verbrechen irgend etwas über uns selbst erzählt, über unsere Ängste, unsere Schwächen.
Wir sind gegen den Knast, weil nichts Gutes auf Unterwerfung und Zwang wachsen kann.
Wir sind gegen den Knast, weil wir diese Gesellschaft radikal verändern wollen (und deswegen ihre Gesetze übertreten), weil wir uns nicht friedlich in ihre Städte, ihre Fabriken, ihre Kasernen, ihre Einkaufszentren integrieren wollen.
Wir sind gegen den Knast, weil der Lärm der Schlüssel im Zellenschloss eine tägliche Folter ist, Isolation eine Abscheu, das Ende der Sprechstunde eine Qual, die eingesperrte Zeit eine Sanduhr, welche langsam tötet.
Wir sind gegen den Knast, weil er uns entweder viel zu viele Tage, Monate oder Jahre, oder viel zu viele FreundInnen, Unbekannte oder GenossInnen weggenommen hat.
Wir sind gegen den Knast, weil die Menschen, die wir darin getroffen haben, weder besser noch schlechter sind als diejenigen, die draußen rumlaufen. (Obwohl wenn ich nachdenke, sind sie doch besser).
Wir sind gegen den Knast, weil die Nachricht eines Ausbruchs unsere Herzen aufwärmt, mehr als der erste Tag des Frühlings.
Wir sind gegen den Knast, weil eine Gesellschaft, die es braucht, Menschen einzusperren und zu entmündigen, selbst ein Knast ist.
Kündigen wir dieser Gesellschaft, ersetzen wir ihre Gesetze und ihr Recht durch unsere eigenen Regelungen !
Deshalb : Für Gesellschaft ohne Knäste !
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Obiger Text wurde
von Wilfried formuliert und zusammen gestellt,
als Rede des AntiknastAK-K
auf der Silvesterkundgebung 09
vor dem Knast Köln-Ossendorf vorgetragen.

aus STRAFLOS NR.2

straflos 2, Alternativen zu Knästen suchen?

Müssen wir Alternativen zu Knästen suchen?

Wer sich im Sinne des Abolitionismus - (Hier Abschaffung der Gefängnisse. Früher in den USA bezeichnete es die Abschaffung der Sklaverei) - äußert, wird in der Regel alsbald mit der Frage konfrontiert, welche Alternativen er/sie anbieten könne, wenn er/sie Knäste für so schlimme Orte halte.
Ist es sinnvoll, sich auf solche Suche von Alternativen zum Strafvollzugssystem einzulassen? Meiner Ansicht nach lautet die klare Antwort: NEIN, es ist nicht sinnvoll.
Die Forderung nach Abschaffung der Gefängnisse steht in einem politischen Zusammenhang, der auf eine Umwälzung der herrschenden Verhältnisse abzielt. Ein kapitalistisches (übrigens ebenso ein "sozialistisches") System kommt ohne Verwahr- und Zuchthäuser nicht aus. Hinter dem Verlangen die Gefängnisse aufzulösen steht - unausgesprochen - der Wunsch nach einem politischen Systemwechsel. Ein menschenverachtendes politisches System bleibt ein solches,- ob nun mit oder ohne Knäste. Deshalb kann es nicht darum gehen, für Staatsknechte Alternativen zu erdenken, welche an die Stelle der Justizvollzugsanstalten treten könnten bzw. sollen, denn schon die Suche oder Beihilfe zur Suche impliziert eine Anerkennung der bestehenden politischen, sozialen und ökonomischen Ordnung.
Wer sagt, es wäre unrealistisch über eine Abschaffung der Gefängnissse nachzudenken und damit für eine grundlegende Systemveränderung (einzutreten), dem sei in Erinnerung gerufen, dass der ursprüngliche Abolitionismus, wie eingangs angedeutet, auf die Abschaffung der Sklaverei zielte. Zumindest in den USA gibt es heute - bei aller Kritik im Detail und darüber hinaus - keine Sklaverei mehr in der Art des 18. und 19. Jahrhunderts. Die absolute Leibeigenschaft wurde Schritt füt Schritt aufgehoben, wenn auch in weiten Teilen durch eine andere, eine modernere Form von Abhängigkeit und Unterdrückung ersetzt. Dennoch! Trotz alledem gilt es für eine Abschaffung der Gefängnisse zu streiten, für eine gesellschaftliche Veränderung!
Thomas Meyer-Falk
z.Zt. JVA Bruchsal
http://www.freedom-for-thomas.de
http://www.freedomforthomas.wordpress.com
aus STRAFLOS NR. 2